Materialrecherche und -auswertung

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Inhaltsverzeichnis

Spektrum der juristischen Materialien

Bei der Recherche für die Hausarbeit sollte man sich des vollen Spektrums der juristischen Literatur widmen.

Ordnung und Dokumentation

Eine große Schwierigkeit bei der Bearbeitung einer Hausarbeit ist das Sammeln von Material und dessen Ordnung und Dokumentation. Stößt man in einem Fall auf ein Problem und sucht in der ausgewiesenen Literatur und bei Beck-online, findet sich üblicherweise eine Fülle an Material. Die Kunst besteht vor allem darin, diese Fülle an Information zu sichten, zu sortieren und für die Fallbearbeitung leicht zugänglich zu machen. Es gibt nichts Schlimmeres als bei der Bearbeitung eines Problems festzustellen, dass man sich nicht mehr in seinen Unterlagen zu recht findet und ständig suchen und blättern muss. Das kostet enorm viel Zeit und Nerven.

Tipp 1: Legt euch einen Leitzordner an und sortiert darin nach einem für euch übersichtlichen System das Material. Z.B. könnt ihr die Unterlagen nach Aufgaben oder Handlungsabschnitten sortieren.

Tipp 2: Scheut euch nicht euch kurze Übersichten der verschiedenen Argumente mit der Hand (!) anzufertigen und euch dahinter die Fundstelle zu notieren. So findet ihr wichtige Textfragmente in einer bleiernen Textwüste einfacher wieder.

Schwerpunktbildung

Der Erfolg einer Hausarbeitsbearbeitung hängt weitgehend von einer richtigen Schwerpunktsetzung ab. Um bei der Ausformulierung der Falllösung eine richtige Schwerpunktbildung vornehmen zu können, ist es bereits bei der Sachverhaltsanalyse die maßgeblichen Schwerpunkte zu finden. Es ist danach zu fragen, wo die entscheidenden und damit punktebringenden Probleme?

Zuvor einige Hinweise: Achtet darauf, dass nicht alle Sachverhaltsumstände und auftretenden Probleme in gleichem Umfang gelöst sind. Erstens ist das bei 25 bis 30 Seiten platztechnisch kaum möglich und zweitens auch vom Sachverhaltssteller so nicht gewollt. Eine gelungene Bearbeitung zeichnet sich durch ihre Schwerpunktsetzung aus!

Probleme finden

Ihr steht nun also vor der Aufgabe aus dem Sachverhalt einerseits die relevanten Umstände zu erarbeiten und andererseits daraus zu relevanten Probleme zu herauszufiltern. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: wie finde ich diese Probleme? Wie gelingt es die einfachen Probleme von den entscheidenden Problemschwerpunkten zu unterscheiden.

Dazu zwei Möglichkeiten:


1. Wissen

Am besten ist es natürlich, wenn man den Falltext liest und sofort die entscheidenden Probleme erkennt. Da das natürlich bei einer propädeutischen (!) Hausarbeit kaum erwartet werden kann, solltet ihr euch an diesem Punkt nur kurz aufhalten.


2. Problemsuche

Bei jeder Hausarbeit steht man am Anfang vor dem Problem nicht genau zu wissen, was die Angaben im Sachverhalt im Einzelnen bedeuten. Da hilft nur eins: Ran an die Bücher und Literatur und lesen, lesen, lesen. Ihr werdet immer bei einem bestimmten Stichwort anfangen und euch dann weiter vortasten können. Hier beginnt die Problemsuche – Hauptaufgabe bei der (propädeutischen) Hausarbeit!

Ihr begebt euch also auf die Suche nach den relevanten Problemen. Allerdings ist hier auch etwas Vorsicht geboten. Es sollten keine Probleme nur zum Zweck der Problemsuche geschaffen werden. Vielmehr sollen nur tatsächlich vorhandene Probleme erkannt und bearbeitet werden.

Eine grundsätzliche Faustregel für das Auffinden der entscheidenden Probleme ergibt sich aus dem Umfang der geschilderten Sachverhaltsumstände. Sofern der Sachverhalt zu einem Bereich viele Angaben enthält, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Schwerpunktbereich handelt. Dementsprechend solltet ihr euch mit diesem Bereich/Problem länger beschäftigen und gegebenenfalls mehr zu schreiben. ACHTUNG: Dabei handelt es sich wirklich nur um eine Faustregel, die nicht schematisch anzuwenden ist. Entscheidend ist letztendlich, ob die Sachverhaltsumstände für die Lösung des Falles relevant sind.

Erste Anhaltspunkte für die entscheidenden Probleme des Falles ergeben sich aus den Ansichten und/oder Begehren der beteiligten Personen. Jede Äußerung einer Person, die der Sachverhalt schildert, sollte bearbeitet werden. Setzt euch umfassend mit den Erklärungen und Einwendungen der Beteiligten auseinander!

Weitere Anhaltspunkte können sich auch aus den sonstigen Angaben und Ergänzungen im Sachverhalt ergeben (v.a. Zeitangaben und Daten). Diese sind ausdrücklich benannt oder auch zwischen den Zeilen zu finden. Fällt euch im Sachverhalt etwas Ungewöhnliches auf, besteht auf jeden Fall Anlass zu intensivem Nachdenken, ob eine schwerpunktmäßige Bearbeitung erforderlich ist.

ACHTUNG: Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass jeder Satz des Sachverhalts für die Lösung des Falls von Bedeutung ist.

Mit dem Auge des Aufgabenstellers ...

Bei der Suche der Problemschwerpunkte empfiehlt es sich immer, sich in die Person des Sachverhaltsstellers hineinzuversetzen – „Mit dem Auge des Aufgabenstellers“:

  • Was hat der Aufgabensteller wohl gemeint?
  • Auf welches Problem wollte der Aufgabensteller hinaus?
  • Welches Problem soll hier angesprochen werden?

ACHTUNG: Natürlich besteht bei diesem Vorgehen auch die Gefahr einer Überinterpretation! Das solltet ihr in jedem Fall vermeiden. Legt den Sachverhalt nicht zu weit aus und erfindet keine Probleme.


Vorgehensweise: Wenn ihr den Sachverhalt gelesen habt, setzt auch an die Bücher/Literatur und fangt an etwas quer zu lesen. Meist stößt man dann von ganz alleine auf die Probleme. Z. B. geht es im zivilrechtlichen Fall um einen Mietvertrag, schlagt ihr natürlich im Besonderen Schuldrecht unter „Mietrecht“ nach und lest das Kapitel. Dort werdet ihr sicherlich etwas zum Fall Passendes finden und auch weitere Verweise, welchen ihr nachgehen solltet. So ergibt sich Stück für Stück ein immer besseres Bild vom Fall.

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